
Vulkane
Katla Vulkan: Der schlafende Riese Islands
Die Katla, einer der beeindruckendsten und bekanntesten Vulkane Islands, ragt unter dem Mýrdalsjökull-Gletscher im Süden des Landes empor. Ihr Name weckt Ehrfurcht, da die Ausbrüche der Katla in der Geschichte immer wieder katastrophale Ausmaße annahmen und weite Landschaften sowie die dortigen Lebensräume völlig veränderten. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die geologischen Besonderheiten der Katla, ihre geschichtsträchtige Vergangenheit, den berühmt-berüchtigten Ausbruch von 1918 und die Risiken, die sie heute darstellt.
Zu den wichtigsten geologischen und geografischen Highlights des Vulkans Katla gehören:
*Denkt daran, dass hier ein Glossar mit geologischen Begriffen zu finden ist.
Typ: Subglazialer Stratovulkan, Tuya-Morphologie.
Kaldera: Hat einen Durchmesser von etwa 10 Kilometern (über 6 Meilen) und ist von einer dicken Eiskappe bedeckt.
Aktivität: Seit der Besiedlung Islands im neunten Jahrhundert mindestens 20 Mal ausgebrochen.
Eruptionstyp: Überwiegend explosive Eruptionen, aber gelegentlich auch großflächige, effusive Spalteneruptionen. Beide Arten können gewaltige Jökulhlaups (Gletscherläufe) auslösen, da die Hitze der Ausbrüche das darüber liegende Eis schmilzt.
Tephra-Ablagerungen: Die basaltischen und selteneren silikatischen Tephraschichten der Katla sind weit verstreut, einige reichten sogar bis zum europäischen Festland.
Lage: Unter dem Mýrdalsjökull-Gletscher, etwa 20 km nördlich von Vík und 180 km südöstlich von Reykjavík.

Karte der im Jahr 2025 am Vulkan Katla registrierten Erdbeben, überwacht vom isländischen Wetteramt, die seismische Aktivitäten unter dem Mýrdalsjökull-Gletscher zeigt.
Die Katla, die aktivere, große Schwester der weltweit berüchtigten Eyjafjallajökull, wird fälschlicherweise oft als inaktiv bezeichnet. Obwohl dieser Vulkan in moderner Zeit (d. h. in den letzten Jahrzehnten) nicht mehr explosiv ausgebrochen ist, ist er historisch gesehen weitaus aktiver und unruhestiftender als sein Nachbar Eyjafjallajökull, der einst den Flugverkehr lahmlegte. Tatsächlich ist es aufgrund seiner Lage unter einem dicken Gletscher gut möglich, dass viele kleinere Ausbrüche kaum bemerkt wurden, darunter drei solcher potenziellen Ereignisse seit 1950. Da moderne Messungen und lückenlose Beobachtungen früher fehlten, dokumentieren historische Aufzeichnungen vor allem die explosiven Ausbrüche. Doch die Katla blickt auf eine dramatische, tiefgreifende Geschichte zurück, die Hunderttausende von Jahren umspannt.
Vor unserer Zeit: Prähistorische Ausbrüche
Die Katla entstand vor über 800.000 Jahren. Die Spuren der meisten Ausbrüche in der isländischen Gesteinsgeschichte wurden jedoch während der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren abgetragen. Auch ohne schriftliche Zeugnisse können Forschende die vulkanische Vergangenheit rekonstruieren, indem sie Asche- und Tephraschichten in ganz Island und auf den benachbarten Kontinenten kartieren. Die prähistorische Aktivität der Katla ist durch gewaltige Ausbrüche gekennzeichnet, von denen einige das globale Klima spürbar beeinflussten:
~6.600 v. Chr.: Sedimentbohrkerne belegen einen schweren Ausbruch, bei dem Ascheablagerungen im gesamten nordatlantischen Raum verteilt wurden.
~2.900 v. Chr.: Ein großer Ausbruch hinterließ deutliche Tephraschichten im grönländischen Gletschereis, was auf weitreichende Auswirkungen hindeutet.
~1.500 v. Chr.: Die Aktivität der Katla in dieser Zeit wird mit einer starken Abkühlung des Klimas in Verbindung gebracht, die in europäischen Baumringen und im arktischen Eis aufgezeichnet ist.
Diese uralten Eruptionen verdeutlichen, welches Potenzial für weitreichende Auswirkungen die Katla in Island und darüber hinaus besitzt. Wenn ihr euch dafür interessiert, wie die Region Südislands direkt nach einem gewaltigen, ascheweichen Ausbruch aussehen könnte: Die Netflix-Serie „Katla“ zeigt die Stadt Vík und die umliegenden ausgetrockneten Flussebenen, die meterhoch unter Asche und Sand begraben sind.
Darüber hinaus sollten die effusiven Ausbrüche der Katla nicht unterschätzt werden. In der Gesteinsgeschichte der Katla sind drei gewaltige Spalteneruptionen verzeichnet, die letzte direkt nach der Besiedlung Islands im Jahr 939 mit dem Beginn des Eldgjá-Ausbruchs. Diese ähneln den Ausbrüchen bei Fagradalsfjall und Sundhnúkur auf der Halbinsel Reykjanes, weisen jedoch eine ungleich größere Länge und Fördermenge auf. Dieser Ausbruch – nach dem auch die Eldgjá-Schlucht benannt ist, in der sich die Lava heute befindet – schuf die längste Spaltenreihe, die je in Island mit fast 80 km Länge gemessen wurde, und war der größte effusive Ausbruch des letzten Jahrtausends, bezogen auf das Volumen der geförderten Lava. Das Gebiet, das während des fast einjährigen Ausbruchs mit Lava bedeckt wurde, entspricht der gesamten Metropolregion Reykjavík samt Vororten. Dieser Ausbruch hinterließ aufgrund einer anfänglichen phreatomagmatischen Explosion (also dem Zusammenspiel von Eis und Magma) zudem Tephra in Grönland und schleuderte Gase sowie Aerosole in die Atmosphäre, die das Weltklima über Jahre hinweg beeinflussten.

Der gewaltige Ausbruch der Katla im Jahr 1918 schleuderte eine riesige Aschewolke in den Himmel und markiert eines der bedeutendsten Vulkanereignisse Islands im 20. Jahrhundert.
Katla-Ausbrüche in der modernen Geschichtsschreibung
Seit der Besiedlung Islands im neunten Jahrhundert kam es an der Katla zu über 20 bedeutenden explosiven Ausbrüchen, einschließlich der oben erwähnten Eldgjá-Eruption. Vier dieser Ausbrüche wurden mit der Stufe VEI-5 bewertet. Einer davon forderte tragischerweise zwei Todesopfer durch Blitze, die sich in der hoch aufsteigenden Aschewolke gebildet hatten. Der Ausbruch der Katla im Jahr 1918 gehört zu den berüchtigtsten Ereignissen, das aufgrund seiner Wucht und Folgenschwere noch immer fest im kulturellen Gedächtnis verankert ist. Augenzeugenberichte aus Vík zeigen, dass die Einwohner bereits vor dem Ausbruch in Sorge waren, als Erdbeben das Erwachen der Katla ankündigten – ein Beweis dafür, dass dieser Vulkan die Menschen dort seit Jahrhunderten in Atem hält.
Zeitablauf: Begann am 12. Oktober 1918 und dauerte etwa 24 Tage an.
Vorläufer: Spürbare Erdbeben rund um Vík wenige Stunden vor dem Ausbruch.
Explosivität: Eingestuft als VEI-4-Ereignis; einer der größten Ausbrüche in Island im 20. Jahrhundert.
Gletscherlauf (Jökulhlaup): Katastrophale Fluten, bei denen schätzungsweise 8 km³ Schmelzwasser freigesetzt wurden. Riesige Eisberge und Sedimente wurden mitgerissen, wodurch sich die Mýrdalssandur-Ebenen veränderten und die Küstenlinie Islands an einigen Stellen um bis zu 5 Kilometer ins Meer hinausgeschoben wurde.
Tephra und Aschefall: Aschewolken verdunkelten den Himmel und führten zu häufigen Gewittern. Ablagerungen wurden in ganz Island und sogar auf dem europäischen Festland registriert. Der Aschefall beeinträchtigte die Landwirtschaft massiv, da Trinkwasserquellen verunreinigt und Weideländer bedeckt wurden.
Umwelteinfluss: Es wurden erhebliche Mengen an Schwefeldioxid freigesetzt, was zu regionalen Klimaanomalien beitrug.
Menschliche Auswirkungen: Direkt durch den Ausbruch gab es keine Todesopfer zu beklagen, allerdings brachte die Zerstörung von Ackerland und Infrastruktur große Entbehrungen für die Gemeinden mit sich.

Zurückgelassene Eisberge nach dem verheerenden Gletscherlauf (Jökulhlaup), der auf den Ausbruch der Katla im Jahr 1918 folgte. Achtet als Größenvergleich auf den Mann auf der rechten Seite.
Die Überschwemmungen endeten nicht einfach mit dem ersten Ausbruch, sondern setzten sich während des fast einmonatigen Ereignisses in wellenartigen Schüben fort. Einige Eisberge, die durch die Fluten auf die Sanderebenen geschwemmt wurden, waren derart gigantisch, dass sie dort monatelang liegen blieben. Die anfängliche Flut riss zudem eine 1700 m lange, 500 m breite und 130 m tiefe Schlucht in das Gletschereis. Diese reißenden und unberechenbaren Fluten sind bei solch großen, explosiven Ausbrüchen oft die größte und lebensbedrohlichste Gefahr.
Was den Ausbruch selbst betrifft, so wurde berichtet, dass während der gesamten Eruption täglich irgendwo in Island Asche vom Himmel fiel. Spätere Messungen ergaben, dass eine Fläche von 20.000 km² eine Tephraschicht von 0,5 cm oder mehr abbekam (zum Vergleich: Die Metropolregion der Hauptstadt Island ist knapp 800 km² groß). Wie das Hochwasser kam auch der Aschefall in spürbaren Phasen, wobei die längste dreizehn Stunden am Stück andauerte und in der Umgebung eine 3-4 cm dicke Ascheschicht hinterließ.
Eine ganz besondere Geschichte: Katlas Verbindung zur Lava Show
Die faszinierende Geschichte der Katla wird in der Lava Show in der Ortschaft Vík hautnah erzählt. Im Jahr 1918 war der Urgroßvater unseres Mitbegründers Júlíus (der originale „Mr. Lava Lava“) mit einer Gruppe von Männern hoch zu Ross auf dem Mýrdalssandur (der Gletschersanderebene) unterwegs, um Schafe zusammenzutreiben. Zuerst hörten sie ein tiefes Grollen und ohrenbetäubende Knalls. Als sie eine etwa 2 bis 3 Meter hohe Wasserwand im Eiltakt auf sich zukommen sahen, mussten sie im Galopp auf den nächsten Hügel flüchten und entkamen nur um Haaresbreite dem sicheren Tod. Ihre Tiere überlebten das Unglück leider nicht. Andere historische Berichte erzählen von haushohen Eisbergen, die in den Vorgärten der Bauernhöfe strandeten, und von Nächten, die bis auf die häufigen Blitze der Aschewolke in absolute Dunkelheit gehüllt waren. Der Ausbruch von 1918 ist eine eindringliche Warnung vor der zerstörerischen Kraft der Katla, insbesondere vor ihrer Fähigkeit, plötzliche, gewaltige Fluten und weitreichenden Ascheregen auszulösen.
Übrigens: Die Lava, die wir an unseren Standorten in Vík und Reykjavik zum Schmelzen bringen, stammt ausschließlich von dem Katla-Ausbruch aus dem Jahr 1918!
Moderne Anzeichen und der nächste große Ausbruch
Seit 1918 ist es an der Katla zu keinem explosiven Ausbruch über dem Eis mehr gekommen. Es gab jedoch mehrere unbestätigte subglaziale Ereignisse, bei denen alles auf eine starke Wärmeentwicklung hindeutete. Im Jahr 2011, gut ein Jahr nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull, wurden geophysikalische Signale gemessen, die auf Magmabewegungen im Untergrund hindeuteten. Kurz darauf folgte ein zerstörerischer Jökulhlaup. Dieser Gletscherlauf riss mitten in der touristischen Hauptsaison eine Brücke der Ringstraße mit sich, wodurch Reisende und ganze Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten wurden.
In den Monaten vor diesem Ereignis registrierten GPS-Stationen auf dem Gletscher über der Katla eine Bodenhebung (Krustendehnung). Wochen vor der Flut wurde zudem ein seismischer Tremor aufgezeichnet. Dieses anhaltende, niederfrequente Signal ist ein klassischer Vorbote für aufsteigendes Magma. Kurz darauf folgte ein Schwarmbeben in sehr geringer Tiefe. Diese klaren Indikatoren, kombiniert mit dem Gletscherlauf, lassen Geologen vermuten, dass ein kleinerer Ausbruch oder ein hydrothermales/geothermales Ereignis stattgefunden hat. Ohne handfeste Beweise (wie Lava, Auswurfmaterial oder eine Aschewolke) bleibt der genaue Ursprung solcher Ereignisse jedoch schwer nachzuweisen.
Dies bringt Wissenschaftler und Einheimische gleichermaßen zum Grübeln, wann die Katla das nächste Mal ausbricht – und ob es rechtzeitige Warnsignale geben wird. Die oft gehörte These, dass die Katla immer nach dem Eyjafjallajökull ausbricht, ist wissenschaftlich eher ein Fall von „Korrelation ist nicht gleich Kausalität“. Da es seit Beginn der Aufzeichnungen in Island nur vier Ausbrüche des Eyjafjallajökull gab, aber mindestens 16 Katla-Ausbrüche, die in keinerlei Zusammenhang mit anderen Vulkanen standen, lässt sich dieser Trend nicht sicher bestätigen. Hinzu kommt, dass die sommerliche Wärme in Island zu mehr Mikrobeben durch schmelzendes und sich bewegendes Eis führt. Auch kleinere Gletscherläufe treten dann häufiger auf, was die magmatischen Signale im Untergrund überlagern kann. So gab es beispielsweise seit Beginn dieses Jahres 390 Erdbeben am Mýrdalsjökull, wovon allerdings 314 erst nach dem 1. Mai registriert wurden.
Vor diesem Hintergrund gelten folgende Anzeichen als die verlässlichsten Vorboten:
Bodenhebung an der Spitze – Monate bis Wochen vor einem Ausbruch
Erdbebenschwärme – Einige Monate bis Wochen vorher, stärkere Beben oft erst Stunden vor dem Ausbruch
Seismischer Tremor – Höchstwahrscheinlich Wochen bis Tage zuvor
Schmelzendes Eis in der Kaldera – Sichtbar meist Monate bis Wochen im Vorfeld
Schwefelgeruch oder Dampf – Tritt, wenn überhaupt, erst wenige Stunden vor dem Ausbruch auf
Da die Katla seit dem Einzug moderner Messtechniken nicht mehr explosiv ausgebrochen ist, gibt es noch keine vollständig gesicherten Vorläuferdaten. Forschende stützen sich daher auf Vergleichsdaten und historische Berichte, um Theorien darüber aufzustellen, was im Vorfeld einer Eruption an der Katla passieren wird.
Die Frage, die natürlich jedem auf den Nägeln brennt: Wann bricht die Katla wieder aus? Das lässt sich leider nicht so leicht beantworten. Derzeit gibt es keine geophysikalischen Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch. Blickt man jedoch auf die Statistik, steht (geologisch gesehen) in absehbarer Zeit wieder eine größere Eruption an. Statistisch liegt die Zeitspanne zwischen Ausbrüchen der Katla bei 20 bis 90 Jahren, im Durchschnitt bei 48 Jahren. Die 107 Jahre, die seit 1918 vergangen sind, liegen deutlich über diesem Schnitt. Die Wahrscheinlichkeit für einen explosiven Ausbruch liegt statistisch gesehen bereits bei 92 %. Dennoch lässt sich nicht vorhersagen, ob es nächsten Monat oder erst in 50 Jahren so weit sein wird – Vulkane halten sich eben an keinen Terminkalender.

Der Mýrdalsjökull-Gletscher, unter dem der mächtige Vulkan Katla schlummert und die dramatische Landschaft Islands prägt.
Das Risiko der Katla heute
Warum also die Sorge um die Katla? Da der Vulkan seit 1918 ruht, wächst die Sorge vor einem größeren Ausbruch, da sich in dieser langen Zeit viel Magma ansammeln konnte. Wenn man bedenkt, welche Auswirkungen die explosiven Ausbrüche am benachbarten Eyjafjallajökull im Jahr 2010 und am Grimsvötn im Jahr 2011 hatten, lassen sich die heutigen Risiken wie folgt zusammenfassen:
Seismische Aktivität: Stärkere Erdbebenschwärme unter dem Mýrdalsjökull können Erschütterungen auslösen, die Eisplatten ins Rutschen bringen, noch bevor es zu Überschwemmungen kommt. Diese Beben sind in der gesamten Region und auch bei touristischen Aktivitäten auf dem Gletscher spürbar.
Eisschmelze und Überschwemmungen: Ein Ausbruch könnte schlagartig riesige Mengen Gletschereis schmelzen. Die Folge wären katastrophale Jökulhlaups, die umliegende Orte und wichtige Verkehrswege bedrohen – darunter die Ringstraße (Route 1) und das Dorf Vík.
Beeinträchtigung des Flugverkehrs: Große Aschewolken eines Katla-Ausbruchs könnten, ähnlich wie 2010 und 2011, den transatlantischen Flugverkehr massiv einschränken.
Klimatische Auswirkungen: Die potenziell großen Mengen an Schwefeldioxid, die die Katla freisetzen kann, könnten zu einer kurzzeitigen globalen Abkühlung des Klimas führen.
Katastrophenschutz: Island ist hervorragend auf Vulkanausbrüche vorbereitet. Da es sich jedoch um ein kleines Land handelt, sind Personal und Ressourcen begrenzt. Dies kann Rettungskräfte und Behörden an ihre Grenzen bringen – besonders, wenn unvorbereitete Reisende evakuiert werden müssen, die die Warnzeichen nicht kennen.
Lava- und Tephramengen der Katla
Die Ausbrüche der Katla sind berühmt für die gigantischen Mengen an Lava und Asche, die sie freisetzen:
Lava: Obwohl die Ausbrüche meist explosiv sind, gab es auch Ereignisse mit enormen Lavaströmen. Allein der Ausbruch von 1918 hinterließ riesige Lavafelder, die die Landschaft völlig neu gestalteten.
Tephra: Die Tephra-Produktion der Katla gehört zu den höchsten aller isländischen Vulkane. Schätzungen zufolge haben einige Ausbrüche mehr als 2 Kubikkilometer Tephra freigesetzt. Spuren davon wurden in ganz Europa und Grönland gefunden.
Sedimente durch Gletscherläufe: Die Fluten transportieren unvorstellbare Mengen an Geröll und Gletschersedimenten, was die Küstenebenen im Süden des Landes immer wieder neu formt.
Diese enorme Produktivität unterstreicht die gewaltige Kraft der Katla und erklärt sowohl die lokalen Gefahren als auch die globalen Auswirkungen.
Vergleiche mit bekannten Vulkanen weltweit
Um die Dimensionen der isländischen Vulkane und der Katla besser einzuordnen, hilft ein Blick auf die weltweite Statistik. Von den 203 Vulkanausbrüchen der Stärke VEI-4 oder höher, die sich seit dem Jahr 1600 weltweit ereigneten, fanden nur 31 außerhalb des Pazifischen Feuerrings statt. Solche Subduktionszonen dominieren die globale Vulkanaktivität und erzeugen im Schnitt deutlich größere Ausbrüche. Bemerkenswert ist jedoch: Von den 31 Eruptionen außerhalb des Feuerrings fanden sage und schreibe 22 in Island statt! Islands Vulkansysteme sind damit die aktivsten Nicht-Subduktions-Systeme* der Welt. Und von diesen 22 Ausbrüchen gehen allein acht auf das Konto der Katla.
*über dem Meeresspiegel
Um das Ganze noch anschaulicher zu machen, lässt sich die Aktivität der Katla gut mit anderen berühmten Vulkanen vergleichen:
Vesuv (Italien): Sowohl die Katla als auch der Vesuv sind für hochgradig explosive Ausbrüche bekannt. Der berühmte Ausbruch im Jahr 79 n. Chr. hatte die Stärke VEI-5 und brachte tödliche pyroklastische Ströme und Ascheböen; prähistorische Ausbrüche erreichten vermutlich sogar VEI-6. Bei der Katla kommt jedoch die Gefahr verheerender Gletscherläufe hinzu, die es am Vesuv nicht gibt.
Mount St. Helens (USA): In Sachen Explosivität steht die Katla dem Mount St. Helens in nichts nach – dessen Ausbruch im Jahr 1980 wurde ebenfalls mit VEI-5 eingestuft. Doch auch hier sorgt die Lage der Katla unter dem Gletschereis für ein ungleich höheres Überschwemmungsrisiko.
Pinatubo (Philippinen): Der größte Vulkanausbruch der letzten 100 Jahre (Stärke VEI-6) dauerte mit Unterbrechungen über ein Jahr an und verursachte verheerende pyroklastische Ströme. Die Katla hingegen erzeugt meist kleinere Aschewolken, und ihre Ausbrüche sind in der Regel von kürzerer Dauer.
Krakatau (Indonesien): Bekannt für die lauteste vom Menschen aufgezeichnete Explosion. Dieser VEI-6-Ausbruch verursachte einen fünfjährigen vulkanischen Winter und zerstörte ganze Inseln. Beide Vulkane können das Weltklima beeinflussen, wobei die Ausbrüche der Katla meist weniger extrem und seltener sind.
Eyjafjallajökull (Island): Ausbrüche der Katla sind im Regelfall um ein Vielfaches größer und zerstörerischer, mit weitaus mehr Ascheauswurf und massiveren Fluten. Alles, was die Welt 2010 erlebte, könnte bei der Katla also noch um einiges intensiver ausfallen.
Reykjanes-Halbinsel (Island): Hier handelt es sich fast ausschließlich um reine Spalteneruptionen mit minimalen Explosionen durch Grundwasserkontakt. Die Katla kann zwar auch solche effusiven Spaltenausbrüche erzeugen (wie bei Fagradalsfjall oder Sundhnúkur), jedoch in einem weitaus größeren, längeren und gefährlicheren Ausmaß.
Die einzigartige Mischung aus Explosivkraft, Gasausstoß, Gletscherläufen und riesigen Aschemengen macht die Katla zu einem der gefährlichsten Vulkane Islands – mit spürbaren Auswirkungen auf das Wetter und Klima weltweit. Auch wenn die Katla wissenschaftlich gesehen nicht direkt „überfällig“ ist, rückt der nächste Ausbruch mit jedem Jahr näher. Ein Besuch der Lava Show in Reykjavík oder Vík ist die perfekte Gelegenheit, um sich mit spannenden Infos zu versorgen und die faszinierenden Kräfte dieses Naturwunders hautnah zu bestaunen.
Erlebt echte, glühende Lava
Die unter dem Mýrdalsjökull-Gletscher verborgene Katla ist einer der kraftvollsten und am schärfsten überwachten Vulkane Islands. Während Wissenschaftler diesen Riesen genau im Auge behalten, bietet euch die Lava Show die einmalige und absolut sichere Gelegenheit, echte geschmolzene Lava aus nächster Nähe zu erleben. Spürt die Hitze der fließenden Lava in nur wenigen Metern Entfernung und entdeckt die unglaublichen Kräfte, die Island seit Jahrtausenden formen.
Plant euren Besuch:
Erlebt die Lava Show Reykjavík – Seht echte geschmolzene Lava direkt in Islands Hauptstadt.
Erlebt die Lava Show Vík – Besucht die weltweit einzige Live-Lava-Show, nur eine kurze Fahrt von der Katla entfernt an der wunderschönen Südküste Islands.
Quellen und Referenzen:
Meteorologisches Amt Islands - Katalog der isländischen Vulkane
Meteorologisches Amt Islands - 100 Jahre seit dem letzten Katla-Ausbruch
Jökull - Die Unruhen am Vulkan Katla im Jahr 2011: Seismizität und geologischer Kontext
Jökull - Holozäne Eruptionen im Vulkansystem Katla, Südisland: Merkmale und Umwelteinflüsse
Wikipedia - Die größten Vulkanausbrüche des 21. und 20. Jahrhunderts seit 1500
Verfasst von Jessica Poteet. Hier findet ihr ein Interview mit ihr im Lava Academy Podcast.









