Blick über Landmannalaugar in Island mit farbenfrohen Rhyolithbergen, dem dunklen Lavafeld Laugahraun und der gewundenen Schlucht Graenagil vom Bláhnjúkur im Naturreservat Fjallabak.

Vulkane

Lavatypen erklärt: Ihr Leitfaden zum Erkunden von Lava in Island

Entdecken Sie die wichtigsten Lavaarten in Island – von schnell fließendem Basalt bis hin zu explosivem Rhyolith und all den faszinierenden Lavatypen dazwischen, die Ihnen auf Ihrer Reise über die Insel bei den verschiedenen Vulkanen begegnen werden.

Bei der Lava Show können Sie echte, geschmolzene Lava hautnah erleben, wie sie direkt aus dem Erdinneren austritt. Spüren Sie die glühende Hitze, hören Sie das Knacken und Brechen des Gesteins und beobachten Sie, wie sich das Aussehen der Lava beim Abkühlen verändert. Es ist ein absolut einzigartiges Erlebnis, Lava so nah und in einer sicheren Umgebung zu betrachten – natürlich begleitet von Experten, die all Ihre Fragen beantworten. Dieses unvergessliche Erlebnis erwartet Sie an unseren Standorten in Reykjavík und Vík.

Aber wie sieht es mit der Lava draußen in der freien Natur aus? Woraus besteht sie, welche geologischen Eigenschaften bestimmen ihre Entstehung und wie präsentiert sie sich am Wegesrand und an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands?

Lava kann recht komplex sein. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die ihr Aussehen und ihre Zusammensetzung beeinflussen. Aber keine Sorge, das Ganze lässt sich ganz einfach erklären! In diesem Artikel bringen wir Ihnen die wissenschaftlichen Grundlagen der Lava näher, damit Sie zum echten Lava-Experten werden und Ihre Familie und Freunde auf Ihrer Islandreise zum Staunen bringen können.

Smooth, ropy pāhoehoe lava at Þingvellir National Park in Iceland, showing flowing, folded basalt textures created by low-viscosity lava.

Stricklava (Pāhoehoe-Lava) in Þingvellir, die durch dünnflüssigen, sanft fließenden Basalt bei ruhigen Vulkanausbrüchen entsteht. Foto von Jessica Poteet.


Die Grundlagen: Was bestimmt den Charakter der Lava?

Wie Sie vielleicht schon aus früheren Artikeln unserer Lava Academy wissen, ist Lava im Grunde Magma, das an die Erdoberfläche getreten ist. Die Zusammensetzung des Magmas und die Bedingungen, denen es ausgesetzt ist, bestimmen die Eigenschaften der Lava. Einer der wichtigsten Faktoren ist dabei die Rheologie (die Fließeigenschaft eines Fluids, d. h. seine Viskosität). Doch welche physikalischen Eigenschaften sind dafür verantwortlich, dass unterschiedliche Magmen – und damit unterschiedliche Lavaarten – entstehen?

Moss-covered ʻaʻā lava field in Iceland with sharp, jagged basalt rocks and uneven terrain, stretching toward low mountains under a partly cloudy sky.

Zackiges ʻAʻā-Lavafeld auf der Halbinsel Reykjanes, wo rauer, erstarrter Basalt eine unebene und wilde Landschaft formt. Foto von Jessica Poteet.

Der Siliziumdioxid-Gehalt

Je mehr Siliziumdioxid (Kieselsäure) in der Lava enthalten ist, desto stärker sind ihre chemischen Elemente miteinander vernetzt. Das macht die Lava zähflüssiger (viskoser), sodass sie langsamer fließt. Je höher die Viskosität der Lava ist, desto eher neigt der Vulkan zu explosiven Eruptionen.

Die Temperatur

Je heißer die Lava ist, desto dünnflüssiger (weniger viskos) ist sie auch. Die Temperatur wird maßgeblich von der tektonischen Lage des Vulkans beeinflusst (z. B. ob die tektonischen Platten auseinanderdriften oder kollidieren) sowie von der Tiefe, in der sich die Magmakammern befinden.

Tall hexagonal basalt columns at Reynisfjara beach in Iceland, formed by cooling lava, creating a geometric wall of vertical stone pillars along the cliff.

Basaltsäulen bei Reynisfjara, wo sich die abkühlende Lava in beeindruckende hexagonale Säulen aufgespalten hat. Foto von Jessica Poteet.

Der Kristallgehalt (oder das Alter des Systems)

Je mehr feste Mineralkristalle bereits in der Lava herangewachsen sind, desto zähflüssiger ist sie. Magma besteht in der Regel aus einer Mischung aus vollkommen geschmolzenem Gestein, bereits auskristallisierten Mineralen und darin gelösten Gasen (Blasen). Doch was führt dazu, dass ein Magma kristallisiert und die Lava zäher macht? Vor allem die Zeit, die es ungestört unterirdisch verbringt (Alter des Systems), und die langsame Abkühlung in der Magmakammer.

Der Gasgehalt (oder der Druck im System)

Können die eingeschlossenen Gasblasen beim Aufstieg des Magmas leicht entweichen, senkt dies ebenfalls die Viskosität der Lava – sie fließt leichter. Herrscht jedoch beim Aufstieg des Magmas ein hoher Druck im Vulkansystem, verbleibt das Gas meist in der Schmelze, was beim Erreichen der Oberfläche zu explosiven Ausbrüchen und mächtigen, zähflüssigen Lavaablagerungen führt.

Wie Sie sehen, gibt es viele physikalische Faktoren, die das Verhalten und das Aussehen von Lava prägen. Der Siliziumdioxid-Gehalt ist dabei das wichtigste Merkmal, das Wissenschaftler zur Klassifizierung und Benennung der verschiedenen Lavaarten heranziehen.


Tall waterfall at Glymur in Iceland flowing through steep canyon walls made of dark, thin basalt layers, with visible stacked lava formations and green vegetation along the cliffs.

Der Wasserfall Glymur stürzt über geschichtete Basaltklippen herab und offenbart dunkle, dünne Lavaströme, die sich über Jahrtausende aufgetürmt haben. Foto von Jessica Poteet.

Siliziumdioxid-Gehalt

Silikatminerale: Das Fundament der Erdkruste und ihrer Laven

Betrachtet man die chemische Zusammensetzung der Erdkruste, so besteht diese überwiegend aus siliziumdioxidreichen Mineralen (SiO2). Keine Sorge, wir verschonen Sie hier mit Chemie-Tests! Merken Sie sich einfach, dass der prozentuale Anteil dieser Silikatminerale entscheidend für die Einteilung der Lava ist. Dieser Anteil hängt meist davon ab, welches Ausgangsgestein tief im Inneren geschmolzen ist, um das Magma zu bilden. Hier ist eine einfache, anschauliche Übersicht über die verschiedenen Lava-Kategorien:

Basische (mafische) Laven

  • Niedriger Siliziumdioxid-Gehalt (~45–52 %)

  • Reich an Eisen und Magnesium

  • Sehr hohe Temperaturen (~1100–1200 °C)

  • Geringe Viskosität (sehr dünnflüssig)

Typisches Gestein: Basalt
Tektonische Lage: Mittelozeanische Rücken, Hotspots (z. B. Island, Hawaii)
Fließverhalten: Mafische Laven sind extrem mobil und können enorme Strecken zurücklegen.

Intermediäre Laven

  • Mittlerer Siliziumdioxid-Gehalt (~52–63 %)

  • Mittlere Viskosität und Temperaturen (~900–1100 °C)

Typisches Gestein: Andesit
Tektonische Lage: Subduktionszonen (z. B. im Nordwesten der USA, in Japan oder Indonesien)
Fließverhalten: Vielseitig; je nach Gasgehalt kann der Ausbruch ruhig fließend oder explosiv sein.

Saure (felsische) Laven

  • Hoher Siliziumdioxid-Gehalt (>63 %)

  • Reich an Kieselsäure, Natrium und Kalium

  • Niedrigere Temperaturen (~650–900 °C)

  • Sehr hohe Viskosität (extrem zähflüssig)

Typisches Gestein: Dacit, Rhyolith

Tektonische Lage

Kontinentale Vulkanbögen, weit entwickelte Vulkansysteme (z. B. Philippinen, Indonesien, Neuseeland, kontinentale USA)

Fließverhalten

Träge und zähflüssig; bildet meist Lavadome oder sehr dicke, kurze Lavaströme.

Der Großteil der Lava, die Ihnen in Island begegnet, ist Basalt: weite Felder aus erstarrter, ehemals glühend heißer und dünnflüssiger Lava, die aus Spalten噴 eruptiert ist oder von Schildvulkanen stammt. Dennoch gibt es auch landschaftliche Highlights aus Rhyolith-Lava. Diese entsteht in Magmakammern, die sehr lange im Untergrund verweilten, teilweise auskristallisierten oder vor dem Ausbruch mit dem Schmelzwasser von Gletschern in Kontakt kamen.

Aber wie unterscheidet man diese Arten, wenn man in Island unterwegs ist? Werfen wir einen Blick auf die verschiedenen Formen und Strukturen (Morphologien) der Lava, die Sie auf der Insel entdecken können, damit Sie sie spielend leicht selbst bestimmen können.

Ihr handlicher Island-Lavaführer

Dies sind die verschiedenen Lavaformen, die Sie in Island sehen werden, und so können Sie sie bei Ihren Entdeckungstouren ganz einfach voneinander unterscheiden:

Natural lava pool at Brimketill in Iceland, formed in dark basalt rock along the coastline, filled with clear seawater and surrounded by moss-covered volcanic formations.

Der Lavapool Brimketill auf der isländischen Halbinsel Reykjanes, wo die Wellen des Atlantiks ein natürliches Becken in das raue Basaltgestein geschliffen haben.


Basalt (der Klassiker in Island)

Der erste Eindruck: Dunkel, kompakt und allgegenwärtig.

Wie sieht Basaltlava aus?

  • Farbe: Schwarz bis dunkelgrau (frisch), verwittert im Laufe der Zeit zu einem warmen Braun

  • Struktur: Sehr feinkörnig, oft durchsetzt mit kleinen Löchern von Gasblasen (Vesikel)

  • Auffälligkeiten in der Natur: Riesige, dunkle Landschaften, die oft so mystisch wirken, als würden dort Elfen wohnen

  • Besondere Oberflächenformen:

  • Glatte, seilartige Strukturen, genannt Pāhoehoe-Lava (Stricklava)

  • Scharfkantige, brockige Brocken, genannt ʻAʻā-Lava (Fladen- oder Blocklava)

  • Vertikale, perfekt geformte Gesteinssäulen, in Island „Stuðlaberg“ genannt


Wo man Basaltlava findet

In den jüngeren Lavafeldern bei Fagradalsfjall und Sundhnúkur, in den weiten Ebenen zwischen Vík und Kirkjabæjarklaustur sowie als imposante Basaltsäulen am Strand von Reynisfjara und am Wasserfall Svartifoss.


Rhyolith (der farbenfrohe Kontrast)

Der erste Eindruck: Hell, farbenfroh und ein echter Blickfang.

Wie sieht Rhyolith aus?

  • Farbe: Hellgrau, rosa, beige, manchmal gelblich und bei Verwitterung sogar grünlich schimmernd

  • Struktur: Feinkörnig, oft mit sichtbaren Einsprenglingen (Kristallen), kann aber auch vollkommen glasig sein

  • Auffälligkeiten in der Natur: Mächtige, kuppelförmige Massen mit sichtbaren Fließbändern

  • Besondere Erscheinungsformen:

  • Tiefschwarzes, glänzendes Vulkanglas, bekannt als Obsidian

  • Extrem leichtes Gestein voller kleiner Hohlräume, bekannt als Bimsstein

Large black obsidian rock in Hrafntinnusker mountain valley, Iceland, formed from rapidly cooled rhyolite lava, with a glassy texture and rugged volcanic landscape in the background.

Obsidiangestein in Hrafntinnusker, wo schnell abgekühlte Rhyolith-Lava das berühmte, tiefschwarze Vulkanglas Islands gebildet hat.


Wo man Rhyolith findet

In den farbenprächtigen Bergen des Hochlands in Landmannalaugar und Kerlingarfjöll, in zahlreichen Bergzügen in Ostisland und an dem markanten rötlichen Berg Mosfellshnjúkar, der östlich des Hausbergs Esja nahe der Region Reykjavík emporragt.


Colorful rhyolite mountains in Landmannalaugar, Iceland, displaying red, orange, yellow, and green hues formed by evolved lava, with rugged volcanic terrain stretching into the distance.

Die farbenprächtigen Rhyolithberge von Landmannalaugar, geformt durch zähflüssige Lavaströme und reich an bunten Mineralen. Foto von Jessica Poteet.

Der Siliziumdioxid-Gehalt

Hier ist eine kurze Checkliste, mit der Sie die verschiedenen Lavatypen in Island blitzschnell zuordnen können:

  • Dunkel, glatt oder scharfkantig, oft säulenförmig und sehr weitläufig? → Basalt

  • Flache, seilartige, strickförmige Oberflächenstruktur und dunkel? → Pāhoehoe-Lava

  • Spitz, scharfkantig, wild zerklüftet und dunkel? → ʻAʻā-Lava

  • Glatte, vertikal angeordnete Säulen, meist sechseckig? → Basaltsäulen (Stuðlaberg)

  • Hell oder bunt gestreift, massiv und dick? → Rhyolith

  • Glasig, glatt, tiefschwarz und glänzend? → Obsidian

  • Federleicht, schaumig und voller Luftblasen? → Bimsstein

  • Dunkle, runde, kissenartige Formen, die wie ein Stapel großer Kiesel aussehen? → Kissenlava (Pillow-Lava)

  • Bräunliche, bröckelige Grate, oft von sandigen Schichten durchzogen? → Hyaloklastit


View of Kleifarvatn lake in Iceland with rugged volcanic terrain in the foreground, showing dark, sandy and glassy hyaloclastite layers formed by subglacial eruptions, with mountains and cloudy sky in the background.

Der See Kleifarvatn auf der Halbinsel Reykjanes. Hier haben Vulkanausbrüche unter dem Eis eiszeitlicher Gletscher zu faszinierenden Hyalolastit-Landschaften am Ufer geführt. Foto von Jessica Poteet.

Der Siliziumdioxid-Gehalt

Wenn man erst einmal weiß, worauf man achten muss, verwandeln sich die isländischen Lavafelder in eine spannende geologische Schatzsuche. Ein Wanderweg, der sich durch uralte Stricklava windet, ein moosbedecktes Feld aus rauer ʻAʻā-Lava, ein glitzerndes Stück Obsidian am Wegesrand oder eine Klippe aus majestätischen Basaltsäulen: Überall wartet ein neues Detail darauf, entdeckt zu werden. Vielleicht packt auch Sie das Sammelfieber wie bei der Jagd nach Pokémon, während Sie ein Merkmal nach dem anderen auf Ihrer Liste abhaken und so die Entstehungsgeschichte der Landschaft entschlüsseln.


Ein abschließender Gedanke zu den Lavaarten

Lava ist niemals einfach nur Stein.

Sie ist das sichtbare Finale einer Reise, die tief unter unseren Füßen beginnt. Ein faszinierendes Zusammenspiel aus Chemie, Temperatur, Druck, Gasen und der Bewegung der Erdplatten, das bestimmt, wie sich das flüssige Gestein verhält, sobald es das Tageslicht erblickt.


Close-up of pillow lava in Iceland, showing rounded, overlapping basalt formations formed by underwater eruptions, with smooth, bulbous textures stacked along a rocky shoreline.

Kissenlava-Formationen bei Nesjavellir, die entstanden sind, als glühend heiße Lava unter Wasser austrat und sekundenschnell zu runden, bauchigen Formen erstarrte.

Die unterschiedlichen Lavaarten deuten zu lernen, ist wie das Erlernen einer neuen Sprache – einer Sprache, mit der Sie die feurige Geschichte unseres Planeten direkt aus der Landschaft ablesen können. Bei der Lava Show erwecken wir diese Sprache zum Leben. Hier hören Sie nicht nur von der Viskosität und dem Fließverhalten, sondern Sie sehen es live vor Ihren Augen geschehen. In diesem Moment wird Geologie greifbar: Eine direkte Verbindung zu den Urkräften, die unsere Erde auch heute noch formen.

Erleben Sie echte, geschmolzene Lava

Über Islands magische Lavaarten zu lesen ist spannend, aber echte, flüssige Lava in Aktion zu sehen, ist eine Erfahrung, die Sie das ganze Leben begleiten wird! In der Lava Show – der weltweit einzigen Show mit echter, geschmolzener Lava – können Sie den glühenden Strom nur wenige Meter von Ihnen entfernt beobachten, seine unglaubliche Hitze spüren und das typische Knistern beim Abkühlen hören. Nutzen Sie diese seltene Gelegenheit, um hautnah zu erleben, wie sich flüssiges Gestein verhält, bevor es zu jenen faszinierenden Steinlandschaften erstarrt, die Island so berühmt machen.

Planen Sie Ihren Besuch:

Der Lava Academy Podcast


Entdecken Sie den Lava Academy Podcast (auf Englisch) und tauchen Sie ein in tiefgründige und unterhaltsame Gespräche über die wunderbare Welt der Geologie, Vulkane und natürlich der Lava selbst!

Dieser Artikel wurde von der Geologin Jessica Poteet verfasst. Hören Sie auch das spannende Interview mit ihr im Lava Academy Podcast.

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USt-Nummer: 132003

Kennitala: 4607161010

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