Podcast

Lava Academy Podcast: Wie Max Greiner Lava in Design verwandelt

Kann man Gegenstände aus Lava herstellen? Eine Vase, ein Tablett – oder sogar einen Hotdog-Halter?

In dieser Folge des Lava Academy Podcasts erforschen wir, was passiert, wenn vulkanisches Material auf Design, Handwerkskunst und die pure Lust am Experimentieren trifft.

Die Moderatoren Iain MacKinnon und Ragnhildur Ágústsdóttir haben heute Max Greiner vom Lava Show-Team zu Gast. Max ist Designer und Lava-Schmelzer: Er bedient die Schmelzöfen, in denen echte Lava auf rund 1.100 °C erhitzt wird. Hinter den Kulissen hat Max außerdem erforscht, wie sich dieses flüssige Gestein in etwas verwandeln lässt, das man anfassen, benutzen und behalten kann.

Sein Projekt vereint Islands vulkanische Landschaften, familiäre Verbindungen zur Glasmacherei über Generationen hinweg und eine verdammt knifflige Herausforderung: Wie verwandelt man fließende Lava in ein Objekt, das das Abkühlen unbeschadet übersteht?

In dieser Folge

Erfahren Sie, wie Max und das Team der Lava Show Schritt für Schritt – und Form für Form – ein völlig neues Handwerk erproben.

Max erzählt unter anderem:

  • Wie die lange Glasmacher-Tradition seiner Familie seinen Designansatz geprägt hat.

  • Warum der Umzug nach Island seine Sichtweise auf Materialien verändert hat.

  • Wie die Lava Show zu einem echten Testfeld für die Herstellung von Objekten aus geschmolzenem Basalt wurde.

  • Warum eine präzise gesteuerte Abkühlung entscheidend ist, damit die fertigen Objekte nicht zerspringen.

  • Was uns Vasen, Tabletts und ein Lava-Hotdog-Halter über das Material verraten können.

  • Wie die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern das Projekt in Zukunft weiter voranbringen könnte.

Es ist ein spannendes Gespräch über Kreativität, Ausdauer und die unerwarteten Möglichkeiten, die in dem Gestein direkt unter unseren Füßen schlummern.

Sehen Sie sich die Videoversion dieser Folge der Lava Academy an

Von einer Glasmacherfamilie zu den Lavafeldern Islands

Max’ Faszination für Werkstoffe begann lange vor seiner Arbeit mit Lava.

In dieser Folge blickt er auf die Verbindungen seiner Familie zur Glasmacherei zurück, die bis ins 16. Jahrhundert reichen. Sein Großvater unterrichtete an einer Fachschule für Glas und erforschte später die Familiengeschichte. Da er inmitten von Glaswerkstätten aufwuchs, lernte Max früh, dass die spätere Form eines Objekts immer mit den verwendeten Materialien beginnt.

Nach seinem Industriedesign-Studium in Deutschland zog es Max nach Island, um an der Kunstuniversität Island seinen Master in "Design and New Environments" zu machen.

Er wollte herausfinden, was es bedeutet, an einem bestimmten Ort zu gestalten: mit den Materialien, dem Wissen und den Möglichkeiten, die direkt vor Ort vorhanden sind.

In Island lag Basalt als Ausgangsmaterial auf der Hand. Es war einfach überall. Die spannende Frage war nur, was man daraus machen konnte.

Neue Möglichkeiten in der Lava Show entdecken

Der erste Kontakt zur Lava Show entstand durch Max’ Mitwirkung am Lavaforming-Projekt, das nach neuen Wegen sucht, Lava in der Architektur einzusetzen.

Als er unsere Schmelzöfen und die Arbeit hinter den Kulissen sah, kam ihm eine weitere Idee.

Die Lava Show verfügte bereits über die Ausrüstung, das Fachwissen und die täglichen Abläufe, um echte Lava zu schmelzen und zu gießen. Könnte diese Infrastruktur nicht auch für die Herstellung physischer Objekte genutzt werden?

Max Greiner wears a reflective protective suit and face shield while collecting glowing molten lava from a furnace into a mould at Lava Show.

Vom Ofen zur Form. Der Designer und Lava-Schmelzer Max Greiner gießt in der Lava Show geschmolzene Lava in eine Form und läutet damit die Verwandlung in ein Kunstobjekt ein.

Aus der Idee wurde eine wunderbare Zusammenarbeit. Mit Zugang zu den Geräten der Lava Show und der Unterstützung des Teams begann Max mit verschiedenen Formen und Kühltechniken zu experimentieren.

Diese ersten Versuche mündeten schließlich in das Projekt To Melt a Stone, das auch in der Diploma Selection bei der Designblok 2026 in Prag präsentiert wird.


A freshly cast lava tray designed by Max Greiner glows orange beneath its darkening surface as a metal mould is lifted away.

Lava nimmt eine neue Form an. Ein frisch gegossenes, von Max Greiner entworfenes Objekt wird in der Lava Show aus der Form geholt. Es glüht noch vor Hitze, bevor es durch kontrolliertes Abkühlen vor dem Zerspringen geschützt wird.

Die eigentliche Herausforderung: Lava kühlen, ohne dass sie bricht

Flüssige Lava in eine Form zu gießen, ist nur der halbe Weg. Dass das fertige Objekt am Ende auch ganz bleibt, ist die eigentliche Kunst.

Wie Max erklärt, können beim Abkühlen der Lava enorme innere Spannungen entstehen, die das Objekt reißen oder völlig zerspringen lassen.

Gemeinsam mit Piotr Slabik, dem Chef-Schmelzer der Lava Show, entwickelte Max ein kontrolliertes Kühlverfahren in einem separaten Ofen. Dieser Prozess, auch als Tempern (bzw. Entspannen) bekannt, hilft dabei, die inneren Spannungen während des Abkühlens abzubauen.

Um das perfekte Programm zu finden, brauchte es unzählige Versuche. Ein zu schnelles Abkühlen führte zu Rissen, aber die Dinge einfach nur extrem langsam abkühlen zu lassen, war auch keine Lösung. Max beschreibt, wie auch das Kristallwachstum während des langsameren Abkühlens das Ergebnis beeinflusste.

Jeder Fehlversuch lieferte wertvolle Erkenntnisse für den nächsten Schritt. Ein zerbrochenes Objekt war immer auch ein Hinweis darauf, was beim nächsten Mal anders gemacht werden musste.

Ein Tanz hinter den Kulissen

Die Arbeit mit flüssiger Lava erfordert sorgfältige Vorbereitung, perfekte Koordination und ein tiefes Verständnis dafür, wie sich das Material verhält.

Max beschreibt ein winziges Zeitfenster, in dem das Team die Lava in der Form auffangen, das frisch geformte Objekt herausholen und es sofort in den Kühlofen bringen muss.

Als Iain dem Team bei der Arbeit zusah, fühlte er sich an einen Walzer auf einer Raumstation erinnert: Menschen in Schutzanzügen, die sich in einer perfekt abgestimmten Choreografie umeinander herumbewegen.


Diese praktische Erfahrung ist unersetzlich. Durch seine tägliche Arbeit als Lava-Schmelzer hat Max gelernt, selbst feinste Veränderungen im Fluss der Lava zu erkennen und sich darauf einzustellen.

Das Projekt stützt sich zwar auf technische Forschung, aber der Großteil des Wissens entsteht durch Beobachten, Machen, Scheitern und erneutes Versuchen.

Warum ausgerechnet ein Lava-Hotdog-Halter?

Zu den ersten Objekten gehören Vasen, Tabletts und ein besonders originelles Beispiel: ein Hotdog-Halter.

Dark, glossy lava hot dog holders designed by Max Greiner, with curved troughs and ridged sides, arranged on a metal surface.

Islands beliebtester Snack trifft auf seine vulkanische Landschaft. Diese Lava-Hotdog-Halter sind Teil der Experimente des Designers und Lava-Schmelzers Max Greiner, in denen er bei der Lava Show geschmolzenen Basalt in Alltagsgegenstände verwandelt.

Jedes Stück geht einer anderen Frage nach: Wie dick darf ein Objekt sein? Wie dünn kann man gehen? Welche Formen behält das Material bei, und wie detailgetreu kann eine Form abgebildet werden?

Einige der Formen sind optisch an Verpackungen für den Importtransport angelehnt. Das ist ein augenzwinkernder Kontrast für Objekte, die lokal aus isländischem Vulkanmaterial hergestellt werden, und spiegelt Max’ Interesse an der Beziehung zwischen lokaler Produktion und globalen Importen wider.

Lava objects designed by Max Greiner, including rectangular trays, small holders and a tall, textured vessel in dark grey and olive tones, displayed on metal flooring.

Vom flüssigen Gestein zu Objekten mit Charakter. Max Greiners experimentelle Lava-Kollektion zeigt die Vielfalt an Formen, Texturen und Farben, die durch Gießen und kontrolliertes Abkühlen in der Lava Show möglich sind.

Bei diesen Stücken handelt es sich um Prototypen, die zeigen, was möglich ist. Im nächsten Schritt geht es darum, praktische Alltagsgegenstände zu entwickeln, die die Menschen gerne benutzen oder als besonderes Andenken mit nach Hause nehmen möchten.

Könnte die Lava-Verarbeitung zu einem neuen isländischen Handwerk werden?

Das Gießen von Basalt wird in der Industrie bereits genutzt. Max’ Vision liegt jedoch in einem kleineren, handwerklicheren Ansatz: Individuell gefertigte Objekte, die in enger Zusammenarbeit zwischen Designern, Schmelzern und lokalen Kunsthandwerkern entstehen.

Er erzählt von einem frühen Experiment mit einem isländischen Glasbläser, der eine kleine Blume aus geschmolzener Lava ganz ohne Form gestaltete. Durch kontrolliertes Abkühlen konnte das filigrane Stück erfolgreich stabilisiert werden – was zeigt, dass weit mehr als nur das klassische Gießen möglich ist.

Für Max geht es bei dem Projekt auch darum, die Verbindung zwischen den Menschen und ihrer direkten Umgebung zu stärken. Ein Objekt aus isländischer Lava erzählt immer auch eine Geschichte über die Landschaft, die Menschen, die es geformt haben, und das Wissen, das im Laufe der Zeit dafür aufgebaut wurde.

Die in der Folge diskutierten Zukunftsideen reichen von dekorativen Objekten bis hin zu Fliesen für geothermische Bäder. Es gibt noch viel zu erforschen, aber die ersten Meilensteine sind bereits gesetzt.

Hören Sie die ganze Folge

Wie fühlt es sich an, direkt neben flüssiger Lava zu arbeiten? Was lernt man aus einem Objekt, das vor den eigenen Augen zerspringt? Und was könnten wir als Nächstes aus Lava erschaffen?

Begleiten Sie Max, Iain und Ragnhildur bei einem inspirierenden Gespräch, das die Lava Academy in die Welt des Designs, des Experimentierens und der Entstehung eines völlig neuen Handwerks entführt.

Hören Sie sich die komplette Folge auf Ihrer Lieblings-Podcast-Plattform an.

Links rund um die Arbeit von Max Greiner

Erleben Sie das Material, mit dem alles begann

In der Lava Show fließt das faszinierende Material hinter Max’ Experimenten direkt vor Ihren Augen.

Sehen Sie echte, glühende Lava, spüren Sie die intensive Hitze und erleben Sie, wie sie sich beim Abkühlen verhält. Besuchen Sie uns in Reykjavík oder Vík, um Islands vulkanische Urgewalt hautnah zu spüren – und Lava danach vielleicht mit ganz anderen Augen zu sehen.

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USt-Nummer: 132003

Kennitala: 4607161010

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