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Lava Academy Podcast: Hinter den Kulissen von Islands größtem Vulkanausbruch mit Glen L’Estrange
In dieser Episode des Lava Academy Podcasts unterhält sich Gastgeber Iain MacKinnon mit dem Geologen und Forschungsassistenten Glen L’Estrange von der Universität Island, um eines der gewaltigsten vulkanischen Ereignisse in der Geschichte Islands zu erforschen: den Eldgjá-Ausbruch.
Von gewaltigen Lavaströmen bis hin zu Aschewolken, die Landschaften und Gesellschaften völlig verändert haben – dieses Gespräch taucht tief in die Wissenschaft, Geschichte und die realen Auswirkungen von Vulkanausbrüchen ein, deren Ausmaß man sich kaum vorstellen kann.
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Triff den Wissenschaftler: Glen L’Estrange
Glen L’Estrange absolviert derzeit seinen Master in Vulkanologie an der Universität Island und untersucht als wissenschaftlicher Mitarbeiter einige der größten historischen Ausbrüche des Landes. Ursprünglich zog ihn die dramatische Landschaft nach Island, und er kehrte zurück, um sich intensiver mit vulkanischen Prozessen und der Rekonstruktion von Ausbrüchen zu beschäftigen.
Sein aktueller Forschungsschwerpunkt? Den Eldgjá-Ausbruch besser zu verstehen – einen der bedeutendsten Ausbrüche, die jemals in Island dokumentiert wurden.
Was war der Eldgjá-Ausbruch?
Der Ausbruch der Eldgjá ereignete sich um 937–940 n. Chr. und dauerte bis zu drei Jahre lang an. Er gilt als einer der größten Ausbrüche in der dokumentierten Geschichte Islands.
Der Ausbruch erstreckte sich über ein rund 75 Kilometer langes Spaltensystem. Er begann unter dem Katla-Gletscher und reichte bis weit in das isländische Hochland hinein.
Um sich das einmal bildlich vorzustellen:
Die jüngsten Ausbrüche auf der Halbinsel Reykjanes erreichen eine Länge von etwa 5 km.
Eldgjá war mehr als 10-mal so groß.
Dieser Ausbruch setzte ungeheure Mengen an Lava und Asche frei, veränderte die Landschaft drastisch und hatte schwerwiegende Folgen für die frühen isländischen Siedler.
Eine veränderte Landschaft
Als der Vulkan ausbrach, war Island erst seit etwa 100 Jahren besiedelt. Die Folgen waren verheerend:
Riesige Lavaströme zerstörten fruchtbares Land und Siedlungen.
Dicke Ascheschichten bedeckten weite Landstriche.
Giftige Gase machten ganze Regionen unbewohnbar.
Gemeinschaften sahen sich gezwungen, wegzuziehen.
Der Ausbruch veränderte also nicht nur die Natur, sondern beeinflusste auch den Verlauf der menschlichen Besiedlung Islands entscheidend.
Wie erforscht man einen Ausbruch, der 1.000 Jahre zurückliegt?
Ohne moderne Messgeräte – wie finden Wissenschaftler heraus, was damals genau geschah?
Die Antwort liegt in der Kombination aus den folgenden Ansätzen:
Geologische Funde
Historische Aufzeichnungen
Tephra-Analyse
Was ist Tephra?
Als Tephra bezeichnet man jegliches Material, das bei einem Vulkanausbruch in die Luft geschleudert wird – von feiner Asche bis hin zu großen Vulkanbomben.
Diese Schichten sind im isländischen Boden hervorragend erhalten geblieben. Glen beschreibt sie wie einen „Barcode“ vergangener Ausbrüche:
Jede Schicht steht für einen ganz bestimmten Ausbruch.
Farbliche Unterschiede und die chemische Zusammensetzung verraten uns die Quelle.
Die Dicke und Verteilung der Schicht zeigt die Intensität des Ausbruchs.
Durch die Analyse dieser Schichten können Wissenschaftler den zeitlichen Ablauf und das Verhalten eines Ausbruchs detailgetreu rekonstruieren.
Die Rekonstruktion des Eldgjá-Ausbruchs
Das Zusammensetzen der Eldgjá-Geschichte gleicht einem riesigen geologischen Puzzle.
Forscher analysieren dabei:
die Dicke der Tephra-Schichten in verschiedenen Regionen,
Variationen der Korngröße sowie
die spezifischen Verteilungsmuster.
Das ermöglicht es ihnen:
die Intensität des Ausbruchs abzuschätzen,
die damalige Windrichtung zu bestimmen und
auf die Höhe der Eruptionssäule sowie die Ascheverteilung rückzuschließen.
Auch heute gibt es noch offene Fragen. Der Ausbruch dauerte sehr wahrscheinlich etwa drei Jahre, doch die Schätzungen variieren – das zeigt, wie viel es hier noch zu entdecken gibt.
Die schiere Dimension der Eldgjá
Eines der beeindruckendsten Ergebnisse aus Glens Forschung ist das gigantische Ausmaß des Ausbruchs.
Selbst in einer Entfernung von 20 km vom Hauptkrater haben Forscher Folgendes entdeckt:
Tephra-Schichten mit einer Dicke von bis zu 30 cm
Murmelgroße vulkanische Fragmente
Das markanteste Zeugnis, die Eldgjá-Schlucht (was so viel wie „Feuerschlucht“ bedeutet), erstreckt sich über rund 8 km und ist von riesigen Lavafeldern umgeben – ein bis heute sichtbarer Beweis für die gewaltige Kraft dieses Ausbruchs.
Warum das heute noch wichtig ist
Die Erforschung von Ausbrüchen wie der Eldgjá dient nicht nur dem Blick zurück – sie hilft uns auch, uns auf die Zukunft vorzubereiten.
Dieselben Vulkansysteme waren im Laufe der Zeit für mehrere große Ausbrüche verantwortlich, darunter:
der Landnahme-Ausbruch (~870 n. Chr.)
der Eldgjá-Ausbruch (~937 n. Chr.)
der Laki-Ausbruch (1783), der etwa 25 % der isländischen Bevölkerung das Leben kostete
Diese Ereignisse hatten globale Auswirkungen und beeinträchtigten das Klima sowie die Luftqualität in ganz Europa und darüber hinaus.
Könnte sich so etwas wiederholen?
Kurz gesagt: Ja – aber das muss nicht unbedingt in naher Zukunft sein.
Das moderne Island ist heute viel besser vorbereitet dank:
seismischer Überwachung
Gasmessungen
Satellitenbeobachtungen
Mithilfe dieser Technologien können Forscher frühzeitig Warnsignale erkennen und schnell reagieren.
Dennoch weist Glen auf eine zentrale Herausforderung hin:
Die Menschen schätzen vulkanische Gefahren heute manchmal zu unbesorgt ein.
Der zunehmende Tourismus führt dazu, dass mehr Menschen potenziellen Risiken ausgesetzt sind.
Große Vulkanausbrüche könnten nach wie vor eine erhebliche Bedrohung für unsere Infrastruktur und Gesellschaft darstellen.
Leben im Feld: Die Realität der Vulkanologie
Die Feldarbeit in Island ist alles andere als glamourös.
Glen berichtet aus seinem Alltag:
Graben in Bodenprofilen an entlegenen Orten
Tagelanges Campen bei unberechenbarem Wetter
Arbeiten bei Schlamm, Sturm und Dauerregen
Gleichzeitig bietet diese Arbeit unvergessliche Erlebnisse:
Völliges Eintauchen in die unberührte Natur
Atemberaubende Landschaften
Eine tiefe Verbindung zu den Urkräften, die unsere Erde formen
„Es erdet einen ungemein“, sagt er – und es bleibt unvergesslich.
Ein abschließender Gedanke: Respekt vor der Kraft der Natur
Wer in der Eldgjá-Schlucht steht, umgeben von aufragenden Felswänden und Jahrhunderte alter Lava, dem wird eines sofort klar:
Diese Ausbrüche sind eindringliche Erinnerungen daran, wie kraftvoll und unberechenbar unser Planet ist.
Und auch wenn wir heute schon unglaublich viel über Vulkane wissen, gibt es immer noch unzählige Geheimnisse zu lüften.
Hör dir die ganze Episode über den Eldgjá-Ausbruch an
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Erlebe echte, flüssige Lava hautnah
Islands größter historischer Ausbruch hat ein beeindruckendes Erbe aus riesigen Lavafeldern und dramatischen Landschaften hinterlassen, die man noch heute erkunden kann. Nachdem du Glen L'Estrange im Lava Academy Podcast gelauscht hast, kannst du geschmolzene Lava bei der Lava Show aus allernächster Nähe erleben. Schau zu, wie nur wenige Meter von dir entfernt echte Lava fließt – in einer sicheren und kontrollierten Umgebung. Das wird dir einen ganz neuen Respekt vor den gewaltigen Kräften einflößen, die Island im Laufe der Jahrhunderte geformt haben.
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Lies mehr über den Eldgjá-Ausbruch
Hier findest du einen Artikel der Geologin Jessica Poteet über den Eldgjá-Ausbruch.









