
Vulkane
Der Laki-Ausbruch: Ein Vulkan, der Nationen und Kulturen durch die Kraft der Lava prägte
Der Vulkanausbruch von 1783, bekannt als Laki-Ausbruch, war so gewaltig, dass er weitreichende Auswirkungen über Kontinente und Zeiten hinweg hatte – ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sehr Lava das Leben der Menschen prägen kann.
Heute jährt sich der letzte Ausbruch im Grímsvötn-Vulkansystem, Islands aktivstem Vulkansystem der Moderne, zum 15. Mal. Am 21. Mai 2011 erwachte der Zentralvulkan des Systems, der unter Europas größtem Gletscher liegt, und sorgte für den größten Ausbruch seit über 100 Jahren. Eine Asche- und Tephrasäule schoss kilometerweit in die Atmosphäre, verdunkelte den lokalen Himmel und trug tagelang Material über ganz Europa.
Doch dieser Ausbruch ist bei Weitem nicht der größte oder schrecklichste in der Geschichte des Grímsvötn. Etwa 40 bis 50 Kilometer von diesem Zentralvulkan entfernt schoss im Jahr 1783 Magma in langen Gängen (Dikes) durch den Untergrund und brach in einer der längsten Spalten der modernen Geschichte Islands nahe dem Berg Laki aus. Es folgte ein acht Monate dauernder Spaltenausbruch, der so viel Lava und giftige Gase freisetzte, dass er den Lauf der Menschheitsgeschichte veränderte.
Dies war der Ausbruch der Lakagígur (kurz Laki), ein unglaublich berühmter Vulkanausbruch im Herzen Islands, der Wissenschaft, Geschichte, Kultur und Legenden auf eine Weise miteinander verbindet, die bis heute nachhallt.
Schnelle Fakten
Datum des Ausbruchs: 8. Juni 1783 – 7. Februar 1784
Ort: Südzentrales Island, zwischen den Gletschern Vatnajökull und Mýrdalsjökull
Vulkansystem: Grímsvötn-Vulkansystem
Ausbruchstyp: Basaltischer Spaltenausbruch südwestlich des zentralen Hauptvulkans
Länge der Spalte: ± 27 Kilometer
Lavafläche: ± 600 Quadratkilometer
Längster Lavafluss: Etwa 130 km durch das Skaftá-Flusssystem
Lavatyp: Tholeiitischer Basalt
Gasemissionen: Geschätzte 120 Millionen Tonnen Schwefeldioxid, zusammen mit Fluor und anderen vulkanischen Gasen
Bedeutung: Einer der tödlichsten und ökologisch folgenreichsten Vulkanausbrüche der dokumentierten Geschichte, der eine Hungersnot in Island auslöste und das Klima in ganz Europa und darüber hinaus beeinflusste
Die Geologie des Laki-Ausbruchs
Island liegt direkt auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die Nordamerikanische und die Eurasische tektonische Platte langsam auseinanderdriften. Unter Island befindet sich zudem ein Mantelplume, oft als Island-Hotspot bezeichnet, der außergewöhnlich große Mengen an Magma in die Erdkruste speist. Zusammen machen diese Kräfte die Insel zu einem der vulkanisch aktivsten Orte der Erde.
Das Grímsvötn-Vulkansystem ist in der Moderne das aktivste Vulkansystem Islands und erstreckt sich unter und über die Eiskappe des Vatnajökull hinaus. Während der Grímsvötn selbst ein unter dem Eis verborgener Zentralvulkan ist, umfasst das System auch lange Spaltenschwärme. Diese erstrecken sich über Dutzende Kilometer durch das isländische Hochland, sowohl radial nach Nordosten als auch nach Südwesten vom Hauptvulkanzentrum weg. Der Lakagígur-Ausbruch war genau solch ein Spaltenausbruch.
Im Gegensatz zu explosiven Ausbrüchen wie denen des Mount St. Helens oder des Vesuvs war der Laki-Ausbruch hauptsächlich basaltisch und effusiv, was bedeutet, dass die Lava in gewaltigen Mengen aus dem Boden strömte. Lavafontänen schossen zeitweise vermutlich Hunderte Meter in die Höhe und speisten riesige Ströme geschmolzenen Gesteins, die sich ihren Weg durch Südisland bahnten. Einige Lavaflüsse folgten Flusstälern über Hunderte von Kilometern und gehören damit zu den längsten historischen Lavaflüssen der Erde.
Der Ausbruch produzierte rund 15 Kubikkilometer Lava – genug, um ganze Städte unter geschmolzenem Gestein zu begraben, wäre er in einer dicht besiedelten modernen Region passiert. Doch die Lava war nur ein Teil der Katastrophe.
Das Magma, das den Laki speiste, war außergewöhnlich reich an gelösten vulkanischen Gasen, die zusammen mit der Lava austraten. Schwefeldioxid erzeugte einen dichten vulkanischen Nebel über Island und Europa, während Fluor das Weideland verseuchte und das Vieh vergiftete. Insgesamt setzte der Ausbruch schätzungsweise 120 Millionen Tonnen Schwefeldioxid frei, was ihn zu einer der größten vulkanischen Gasfreisetzungen in der geschriebenen Menschheitsgeschichte macht.
Ein Grund für die enormen Umweltschäden war die Dauer des Ausbruchs. Statt tagelang heftig zu explodieren, hielt der Laki-Ausbruch acht Monate lang an. Durch diese anhaltende Freisetzung wurden kontinuierlich Gase in die untere Atmosphäre gepumpt, wodurch sich der giftige Dunst über ganz Europa ausbreiten und das Klima auf kontinentaler Ebene verändern konnte.

Zwei Besucher blicken auf die riesige Kraterreihe der Lakagígar im isländischen Hochland – eine vulkanische Landschaft, die während des katastrophalen Laki-Ausbruchs von 1783–1784 entstand.
Zwischen Not und Mythos: Wie Laki die Isländer traf
Für die Isländer, die diesen Ausbruch miterlebten, muss sich die Katastrophe wie das Ende der Welt angefühlt haben.
Der Ausbruch selbst war schon furchterregend genug. Lavafontänen tobten im Hochland, Erdbeben erschütterten das Land, und Asche verdunkelte den Himmel und legte sich über die Höfe. Doch der wahre Schrecken folgte auf das erste Spektakel. Ein seltsamer Dunst, der später als „Nebelnot“ oder Móðuharðindin bekannt wurde, legte sich über das Land. Das Gras verdorrte. Das Vieh wurde krank und verendete. Flüsse wurden verseucht, und es folgte eine schreckliche Hungersnot. Über 50 % aller Tiere starben innerhalb eines Jahres, und es wird geschätzt, dass 20–25 % der isländischen Bevölkerung in den Jahren nach dem Ausbruch ihr Leben verloren.
Im tiefreligiösen Island des 18. Jahrhunderts deuteten viele den Ausbruch auf spirituelle Weise. Einige glaubten an eine göttliche Strafe, während andere darin ein Zeichen des nahenden Weltuntergangs sahen. Predigten verglichen den Ausbruch mit biblischen Plagen und dem Höllenfeuer. Der Himmel verdunkelte sich, giftiger Nebel legte sich über das Land, und ganze Gemeinden standen vor dem Verhungern. Für viele schien es, als hätte sich die Erde selbst gegen sie gewandt.
Keine Persönlichkeit aus dieser Zeit wurde legendärer als der Pastor Jón Steingrímsson, der oft als „Feuerpriester“ in Erinnerung bleibt. Isländischen Erzählungen zufolge hielt Jón, als sich die Lava der Siedlung Kirkjubæjarklaustur näherte, die berühmte „Feuerpredigt“ und betete mit seiner Gemeinde, während das geschmolzene Gestein unaufhaltsam näher rückte.
Die Lava stoppte schließlich, bevor sie den Ort weiter zerstören konnte.
Ob dies nun an der Geografie, der Geologie, einem Zufall oder göttlicher Fügung lag, hing ganz davon ab, wer die Geschichte erzählte – doch das Ereignis wurde zu einem der berühmtesten Mythen in der isländischen Vulkangeschichte. Jón Steingrímsson wurde vom einfachen Dorfpfarrer zum Symbol für Widerstandskraft und Schutz vor Katastrophen.
Sogar der vulkanische Dunst selbst (auch Vog genannt) ging fast wie ein Fabelwesen in das Gedächtnis der Isländer ein. Der „Nebel“ wurde weniger wie normales Wetter beschrieben, sondern eher wie eine lebendige, schleichende Bedrohung, die über das Land kroch, Felder vergiftete und den Menschen den Atem raubte. Da das moderne wissenschaftliche Verständnis für vulkanische Gase noch fehlte, deuteten die Menschen die unsichtbare Gefahr durch Religion, Folklore und mündliche Überlieferungen.
Heute ist der Ausbruch tief in der kulturellen Identität Islands verankert, denn er zeigte sowohl die furchterregende Kraft der isländischen Natur als auch die unbändige Stärke der Menschen, die sie überstanden haben.
Vulkane, die den Lauf der Menschheitsgeschichte verändern
Obwohl der Ausbruch in einem abgelegenen Teil Islands stattfand, waren seine Auswirkungen erstaunlich weit zu spüren.
Die immensen Schwefeldioxid-Emissionen des Laki stiegen in die Atmosphäre auf und bildeten Sulfat-Aerosole, die über Europa drifteten. Den ganzen Sommer 1783 über berichteten Beobachter auf dem gesamten Kontinent von einem seltsamen, trockenen Nebel, der in der Luft hing. Die Sonne erschien blass oder blutrot, die Sicht war schlecht und Atembeschwerden nahmen spürbar zu. In Mitteleuropa verzeichnete man einen deutlichen Anstieg der Sterberaten.
In England, Frankreich und anderen Ländern beschreiben zeitgenössische Schriften eine drückende Hitze, ungewöhnliche Wetterphänomene und weit verbreitete Atemwegserkrankungen. Sogar Benjamin Franklin vermutete damals, dass die isländische Vulkanaktivität mit den ungewöhnlichen Wettermustern in Europa zusammenhängen könnte.
Die atmosphärischen Auswirkungen beschränkten sich nicht nur auf Dunst, Feuchtigkeit und Hitze. Die vulkanischen Aerosole störten vermutlich globale Klimasysteme und trugen in den Folgejahren zu kälteren Wintern und unbeständigem Wetter bei. Ernteausfälle häuften sich in mehreren Regionen, was die Nahrungsmittelknappheit und die wirtschaftliche Not verschärfte.
Hier überschneidet sich die Geologie direkt mit der Weltgeschichte.
Historiker und Wissenschaftler diskutieren bis heute, in welchem Maße der Ausbruch zu den sozialen Unruhen in Europa, insbesondere in Frankreich, beigetragen hat. Die Französische Revolution hatte viele komplexe politische und wirtschaftliche Ursachen, aber Nahrungsmittelknappheit und steigende Brotpreise spielten eine entscheidende Rolle bei der Destabilisierung der Gesellschaft. Einige Forscher argumentieren, dass die mit Laki in Verbindung gebrachten Klimastörungen die landwirtschaftlichen Probleme verschärften, was den Unmut in der Bevölkerung in den Jahren vor der Revolution weiter anheizte.
Ob man Laki nun als direkte Ursache für die Französische Revolution bezeichnen kann oder nicht – die Verbindung bleibt symbolisch unglaublich stark: Ein Spaltenausbruch in Island hat möglicherweise geholfen, die politische Zukunft Europas zu prägen.
Der Ausbruch war auch eines der ersten vulkanischen Ereignisse, das in einem wirklich internationalen Kontext untersucht wurde. Die Wissenschaft erkannte später, dass Vulkanausprüche das globale Klima, die Atmosphärenchemie, die Landwirtschaft und die Gesundheit der Menschen weit über den eigentlichen Ausbruchsort hinaus beeinflussen können. In vielerlei Hinsicht legte Laki den Grundstein für unser heutiges Verständnis von vulkanischen Gefahren und ihren Wechselwirkungen mit dem Klima.

Die beeindruckende Kraterreihe der Lakagígar erstreckt sich durch das isländische Hochland. Bei dem gewaltigen Laki-Spaltenausbruch von 1783–1784 wurden riesige Lavaflüsse und vulkanische Gase freigesetzt, die weite Teile Europas beeinflussten.
Häufig gestellte Fragen zu Laki
War der Laki ein einzelner Vulkan?
Nein. Laki bezieht sich auf einen Spaltenausbruch innerhalb des größeren Grímsvötn-Vulkansystems. Der Ausbruch ereignete sich entlang einer 27 Kilometer langen Spaltenkette namens Lakagígar und nicht an einem einzelnen Berggipfel. Dies hinterließ eine lange Reihe von Spalten, Kratern und Lavafeldern südwestlich des Hauptvulkans.
Kann man die Laki-Krater heute besuchen?
Ja. Das Gebiet der Lakagígar im isländischen Hochland ist zugänglich und gilt mit seinen moosbedeckten Kraterreihen, gewaltigen Lavaschichten und tiefen Spalten als eine der außergewöhnlichsten Vulkanlandschaften des Landes.
Hat der Laki-Ausbruch mehr als nur die Literatur beeinflusst?
Sehr gut möglich! Während schriftliche Mythen, Legenden und historische Philosophien als Folge des Laki-Ausbruchs entstanden, wurde vermutlich auch die bildende Kunst beeinflusst. Mehrere bekannte europäische Landschaftsmaler arbeiteten in den späten 1780er-ahren und bauten auffallend oft rötliche, dunstige oder verträumte und diffus sonnige Himmel in ihre Gemälde ein. Auch wenn es keinen endgültigen Beweis dafür gibt, ob diese Künstler abstrakt oder realistisch malten, ist es gut möglich, dass sie von ihren eigenen visuellen Erlebnissen geprägt waren.
Warum war das Vieh in Island schneller vom Laki-Ausbruch betroffen als die Menschen?
Die giftigen Fluorgase, die aus den eruptierenden Spalten strömten, waren in den ersten Monaten gefährlicher als die sich langsam vorwärtsbewegenden Lavazungen. Dieses Gas legte sich auf Gras und Heu. Das Vieh fraß das kontaminierte Futter und wurde dadurch tragischerweise vergiftet. Dies führte dazu, dass damals über 50 % des gesamten Viehbestands auf der Insel starben. Das wiederum zog die Hungersnot nach sich, die im Laufe der Zeit die Bevölkerung Islands um 20 % dezimierte.
Wie lange dauerte der Laki-Ausbruch?
Der Laki-Ausbruch dauerte acht Monate: Er begann am 8. Juni 1783 und endete am 7. Februar 1784. In dieser Zeit trat Lava aus einer etwa 27 Kilometer langen Spalte aus und schuf rund 600 Quadratkilometer neues Lavafeld.
Wie viele Menschen starben durch den Laki-Ausbruch?
Schätzungsweise 20–25 % der isländischen Bevölkerung – etwa 9.000 Menschen – starben an den Folgen der Hungersnot und der Krankheiten, die auf den Laki-Ausbruch folgten. Vulkanische Gase und Fluor verseuchten das Ackerland, vergifteten das Vieh und zerstörten die Ernte. Da mehr als die Hälfte des Viehbestands verendete, fehlte es vielen Gemeinden an Nahrung.
Ist der Laki-Vulkan noch aktiv?
Laki ist kein einzelner Vulkan, sondern eine vulkanische Spalte innerhalb des aktiven Grímsvötn-Vulkansystems. Die Lakagígar-Spalte selbst ist seit 1784 nicht mehr ausgebrochen, aber zukünftige Ausbrüche an anderen Stellen des Systems sind sehr wahrscheinlich. Das Grímsvötn-System wird streng überwacht und gehört zu den aktivsten Vulkanbereichen Islands.
Abschließende Gedanken zum Laki-Ausbruch
Der Laki-Ausbruch war weit mehr als nur ein geologisches Ereignis. Er hat uns eindringlich vor Augen geführt, dass Vulkane die Macht haben, Ökosysteme, Gesellschaften, Volkswirtschaften, Kulturen, Religionen und sogar den Lauf der Geschichte zu verändern.
Durch Lava, Gas und Asche veränderte der Ausbruch die isländische Gesellschaft nachhaltig, schuf Legenden, die bis heute lebendig sind, beeinflusste das Klima in ganz Europa und trug vielleicht sogar zur politischen Instabilität des Kontinents bei. Kaum ein anderer Ausbruch zeigt so deutlich, wie eng die Systeme der Erde und die menschliche Zivilisation miteinander verwoben sind.
Bei der Lava Show in Island werden diese Verbindungen hautnah spürbar. Echte, geschmolzene Lava aus nächster Nähe fließen zu sehen, gibt einen faszinierenden Einblick in dieselben Urkräfte, die Island geformt, Landschaften wie die Lakagígar geschaffen und das Leben der Menschen während des Laki-Ausbruchs geprägt haben. Auch wenn uns die moderne Wissenschaft diese Prozesse heute viel besser erklärt, als es 1783 möglich war – das Staunen über die gewaltige Macht der Vulkane bleibt genau dasselbe.
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Der Laki-Ausbruch hat Island völlig verändert und das Leben weit über seine Grenzen hinaus beeinflusst – ein Beweis für die unbändige Kraft fließender Lava in einem Ausmaß, wie man es in der geschriebenen Geschichte nur selten erlebt hat. Während Ereignisse wie der Laki-Ausbruch der Vergangenheit angehören, bietet die Lava Show Ihnen die einmalige Gelegenheit, echte geschmolzene Lava völlig sicher aus nur wenigen Metern Entfernung zu erleben. Spüren Sie die intensive Hitze, hören Sie das Knistern bei der Abkühlung und erleben Sie die bemerkenswerte Naturkraft, die Island bis heute prägt.
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Dieser Artikel wurde von der Geologin Jessica Poteet verfasst. Hören Sie auch das Interview mit ihr im Lava Academy Podcast.









